Modellprojekt zum Schutz vor unerwünschter Gesichtserkennung erfolgreich angelaufen

Castrop-Rauxel: Da Datenschutz für viele Bürgerinnen und Bürger eine immer größere Rolle spielt, müssen bestehende Regelungen regelmäßig weiterentwickelt werden. Im Rahmen eines neuen Pilotprojekts testet die Stadt Castrop-Rauxel derzeit Maßnahmen zur Verbesserung des Datenschutzes bei Beschäftigten mit direktem Bürgerkontakt.

„Endlich“, freut sich Marie Herzefeld vom Bürgerbüro. „Darauf haben wir lange gewartet.“

Auch ihr Kollege Stefan Meier begrüßt die Neuerung:

„Jeder macht sich Gedanken über Datenschutz auf dem Smartphone oder in E-Mails. Fotos von Personen dürfen nicht ohne Zustimmung aufgenommen werden. Aber was ist eigentlich, wenn jemand Sie ohne Ihre Zustimmung anschaut? Vielleicht hat die Person ein gutes Gedächtnis und merkt sich Ihr Aussehen.“

Kern des Projekts ist das Tragen speziell entwickelter Papiertüten über dem Kopf der Mitarbeitenden, um deren Identität besser zu schützen.

Erste Praxistests verliefen jedoch weniger erfolgreich. Die ursprünglichen Prototypen verfügten weder über Sehöffnungen noch über ausreichende Atemmöglichkeiten. Nach der Einrichtung einer Arbeitsgruppe konnte schließlich Einigkeit über Anzahl, Größe und Position der erforderlichen Öffnungen erzielt werden.

Das zusätzliche Teilprojekt verursachte Mehrkosten in Höhe von 12,3 Millionen Euro. Die Verantwortlichen betonten jedoch, dass die Investition für einen modernen und zukunftsorientierten Datenschutz unverzichtbar gewesen sei.

Auch über den aufgedruckten Hinweistext auf den Papiertüten wurde längere Zeit diskutiert. Nach mehreren Ausschusssitzungen konnte schließlich auch diese wichtige Hürde überwunden werden.

Das neue Programm „Papiertüte über dem Kopf“ startete offiziell am 1. Juni. Die meisten Beschäftigten hätten die neuen Regelungen positiv aufgenommen.

„Außerdem muss ich mich morgens nicht mehr rasieren“, erklärte ein Mitarbeiter.

Bei den Bürgerinnen und Bürgern fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Während einige Besucher die Maßnahme zunächst für einen Scherz hielten, betonten die Verantwortlichen, dass es sich um ein ernsthaftes Datenschutzprojekt handle.

Eine Befragung vor Ort ergab ein gemischtes Stimmungsbild.

„Ich finde die Idee großartig. Ich habe es ohnehin satt, ständig von anderen Menschen gesehen zu werden“, erklärte ein Besucher.

Ein anderer äußerte sich deutlich kritischer:

„Ich halte das für komplett bescheuert und für reine Zeitverschwendung.“

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